Strategien für den digitalen Wandel - Schön war sie, die reCampaign 2016!

BY-NC-SA 2.0 re:campaign

Auf der reCampaign diskutierten Campaigner/innen aus der Zivilgesellschaft und der Kommunikationsbranche über gesellschaftspolitische Themen und tauschen Best Practices rund um ihre Arbeit aus. Besonders schön: Den Veranstaltern gelingt der “Blick über den Tellerrand hinaus”: Viele internationale Sprecher/innen, gute Themen und Diskussionen, Workshops und gute Stimmung. Erster Tag - Input, zweiter Tag - BarCamp. Wir berichten von unseren Highlights und unserem Workshop.

Responsible data - Best Practices von und für NGOs

In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der täglich große Mengen an Daten durch verschiedene Akteure gesammelt, verbreitet und genutzt werden, wird ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten immer wichtiger. Amy O’Donnell, Referentin bei Oxfam Großbritannien, sprach über “Responsible Data” in ihrem Workshop (hier reinhören!).

“The duty to ensure people’s rights to consent, privacy, security and ownership around the information processes of collection, analysis, storage, presentation and reuse of data, while respecting the values of transparency and openness.” (Responsible Data Forum)

Auch Oxfam sammelt und nutzt Daten - wie sie es tun, kann man im Policy Paper zum Responsible Data Program der Organisation nachlesen. Nach einer kurzen Einleitung ins Thema haben wir uns den ‘data lifecycle’ angeschaut und mögliche Probleme gesammelt, auf die gemeinnützige Organisationen stoßen:

Responsible Data

Gemeinsam versuchten wir Antworten zu finden und Strategien für Responsible Data zu diskutieren. Wichtig ist, hier selbst aktiv zu werden, zu hinterfragen und sich fortzubilden. Es gibt aber auch eine große Community, die zu diesem Thema arbeitet und wertvolle Tipps im Umgang mit Daten gibt: Zum Beispiel Engine Room, Tactical Tech, The Digital First Aid Kit und natürlich die Datenschule. :)

Politisches Framing und Neurokognitive Kampagnenführung

Neurokognitive Kampagnenführung: Klingt kompliziert, aber eigentlich sind wir alle damit vertraut: bestimmte Begriffe wecken positiv oder negativ konnotierte Bilder ins uns - und damit auch Emotionen. Wie die Diskussion um Geflüchtete ganz aktuell zeigen: “Flüchtlingswelle”, “Flüchtlingkrise” wecken andere Emotionen als “Geflüchtete Menschen” oder “Menschen auf der Flucht”. Bei der Kampagnenarbeit geht es auch darum, Begriffe stärker zu reflektieren und auch neu in Diskussionen zu besetzen.

Kampagnen bewegen, zumindest wenn sie gut gemacht sind. Die Kunst ist es dabei, Fakten und Inhalte in passende Frames (Deutungsrahmen) zu verpacken, wie es Elisabeth Wehling vom Berkeley International Framing Institute in ihrer Keynote beschreibt. Reinhören könnt ihr hier.

Framing meint den Prozess, abstrakte Konzepte mit sprachlichen Bildern erfahrbar zu machen. Gute Geschichten erzählen heißt also, Begriffe strategisch zu verwenden, um so ganz bewusst Inhalte in bestimmte Interpretationsrahmen zu setzen.

Reframing bedeutet dagegen bestimmte Konzepte bewusst abzulehnen beziehungsweise ihnen eine andere Bedeutung zu geben.

Von Daten zu Mustern - Einführung in die Datenvisualisierung

Jan-Erik Stange vom Urban Complexity Lab der Fachhochschule Potsdam zeigte in seinem Workshop Fallstricke und Best Practices zur Datenvisualisierung.

Better Life Index

Ein gutes Beispiel für eine gelungene Visualisierung, die komplexe Informationen vermittelt, ist der Better Life-Index der OECD. Dieser misst Lebensqualität anhand von verschiedenen Faktoren wie Bildung, Einkommen und Gesundheit - dargestellt in Form von Blütenblättern. Je nach individueller Gewichtung dieser Faktoren steigen oder sinken die Blüten auf der Achse und geben dadurch eine Bewertung der Lebensqualität im Ländervergleich ab.

Die ganze Session zum Nachhören findet ihr hier und einige interessante Links zu Datenvisualisierungen aus der Präsentation hier.

Bei der Datenschule sammeln wir Visualisierungen, die in unterschiedlichen Kontexten von Verwaltungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaftsunternehmen erstellt und kommuniziert werden. Auf dem BarCamp diskutierten wir mit NGOs über diese Sammlung in einer ‘Visualisation Gallery’.

Visualisation Gallery

Welche Kriterien weisen glaubhafte Visualisierung aus? Können Visualisierungen für sich sprechen oder braucht es immer einen Text? Welche Unterschiede existieren zwischen Print- und webbasierten Visualisierungen, welche Vor- und Nachteile haben diese? Gemeinsam sammelten wir Kriterien zu guten Visualisierungen aus der Betrachterperspektive.

Übung 1: In kleinen Gruppen diskutierten die Teilnehmenden die Visualisierungen hinsichtlich dieser Fragen: An wen richtet sich die Grafik? Welches Ziel verfolgt sie? Und welche Daten wurden verwendet?

Übung 2: In einer großen Runde sammelten wir unsere Eindrücke und erstellten entlang der Diskussion eine Liste darüber, was gute Visualisierungen ausmachen:

  • Weniger ist mehr: Zu viele Informationen führen schnell zu Überforderung.
  • Visualisierungen und ihre Komplexität unterscheiden sich im internationalen Raum und werden unterschiedlich gelesen.
  • Wie viel Wissen kann ich bei meiner Zielgruppe voraussetzen? Komplexität der Informationen und die Darstellungsart sollte beachtet werden.
  • Visualisierungen lassen auch eigene Interpretationsleistungen zu.
  • Gute Visualisierungen brauchen ein Konzept.
  • Die Hauptaussage der Grafik sollte klar erkennbar sein.
  • Das Ziel, das mit der Visualisierung erreicht werden soll, entscheidet über die Ausrichtung: Wird auf Emotionalität oder Neutralität beim “Call to Action” gesetzt? Welche Emotionen rufen Visualisierung durch was hervor?

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für die tollen Diskussionen und den regen Austausch bei unserer Session auf der reCampaign 2016.

Alle Beiträge findet ihr hier zum Nachhören. Fotos gibt es hier.